Tyrannischer Chef

Lass dir von Andreas (der Name ist aufgrund der neuen Datenschutzgrundverordung von mir frei erfunden) erzählen. Seine Geschichte hat mich ziemlich geschockt und auch sehr traurig gemacht.

Als ich Andreas kennenlernte, erzählte er mir, dass sich sein Chef in der Arbeit komplett auf ihn eingeschossen hatte. Wenn irgendetwas in der Abteilung schief lief, musste er zum Chef.

Das ging so weit, dass sein Chef fast jedes Mal brüllend ausgerastet ist. Man musste in manchen Situationen sogar in Deckung gehen, denn egal was sein Chef in der Hand hatte, ob Telefon, Tasse, Schlüsselbund, es flog durch den Raum. Alle Kollegen zogen den Kopf ein und waren froh, dass sie nicht dort im Zimmer standen.

Andreas verließ das Zimmer seines Chefs jedes Mal als Verlierer. Er schämte sich vor seinen Kollegen, die alles mitbekamen und sich auch nicht mehr getraut haben, was zu sagen, aus Angst selbst fertig gemacht zu werden. Der Führungsstil seines Chefs glich einer Diktatur, in der jeder nur noch zugesehen hat, selbst nicht dran zu sein.

Er fühlte sich allein, klein, unterlegen, hilflos und fragte sich jedes Mal: “Warum ich, was habe ich ihm getan, dass er mich so fertigmacht.“ Um die Kritik des Chefs zu kompensieren, hat Andreas mehr gearbeitet, viele Überstunden gemacht, in der Hoffnung, den Chef doch noch irgendwie zufrieden zu stellen. Doch was er auch tat, es war nie genug. Für Andreas war es reiner Psychoterror, Mobbing auf höchstem Niveau. Ich habe selten so etwas Bösartiges gehört.

Andreas konnte zu diesem Zeitpunkt seinen Job nicht kündigen, er hatte Angst davor, seine finanzielle Sicherheit und sein Haus aufgeben zu müssen, dass sein Lebensstandard sinkt und er hatte Angst davor, das Ansehen bei seiner Frau und in seiner Umgebung zu verlieren.

Ihm fehlten die innere Sicherheit und der Mut zur Veränderung.

Hinzu kam, dass er sich irgendwie ständig krank, energielos und chronische müde fühlte.

Andreas hatte jeden Tag Bauchschmerzen und Durchfall bevor er zur Arbeit fuhr. Er nahm Beruhigungstabletten und Psychopharmaka, um wenigstens einigermaßen den Tag zu überstehen. Er wurde von heftigen Alpträumen geplagt, hatte dadurch Angst einzuschlafen. Sein Grübel-Karussell hörte nicht mehr auf. Er fühlte sich leer, müde, verbraucht und konnte keine Freude mehr empfinden. In der Zeit ist Andreas um mindestens 10 Jahre gealtert.

Seine Frau hat mich angerufen und mir in Vertrauen gesagt, dass sie sich um ihren Mann große Sorgen macht und er nicht mehr der Mann ist, den sie geheiratet hat. Sie hatte große Angst, ihn zu verlieren.

Zu der Zeit war sie hoch schwanger und hat eine Woche später einen süßen kleinen Sohn zur Welt gebracht. Aus meiner Sicht und ich denke, ich spreche für fast alle, ist dieses Ereignis doch mit das wunderschönste, was ein Vater erleben kann.

Doch Andreas war so gefangen in seiner eigenen negativen depressiven Welt, dass er sich nicht mal über seinen Sohn freuen konnte.

Er war über sich selbst so erschrocken, dass er Hilfe und Unterstützung suchte. Dieser Moment machte ihm Angst. Denn er wollte seinem Sohn ein guter, liebevoller und freudiger Vater sein.

Nach einer intensiven gemeinsamen Arbeit, wurde Andreas bewusst, dass der Ursprung seiner Probleme in seiner Kindheit lag. Durch verletzende Erfahrungen in seiner Kindheit, hat Andreas negative Glaubenssätze entwickelt und bis in sein Erwachsenenalter aufrechterhalten. Ein Glaubenssatz, auf den er sehr stark triggerte, war:

„Ich genüge nicht!“

Das eigentliche Problem jedoch, waren nicht seine negativen Glaubenssätze, sondern die Schutzstrategien, die Andreas entwickelt hat, um so eine Verletzung nie wieder erfahren zu müssen. Mit Hilfe seiner Schutzstrategien konnte er schnell verdrängen, sich anpassen, sich zurückziehen, fliehen und Situationen vermeiden. Auch die Dinge absolut perfekt zu machen, zählt zu seinen Schutzstrategien.

Andreas hatte einen sehr strengen, autoritären Vater. Ihm war Gehorsam sehr wichtig und er brachte kein Verständnis für das Denken und Fühlen von Kindern auf. Bei ihm musste alles funktionieren und in seiner entsprechenden Ordnung sein. Andreas hatte große Schwierigkeiten damit und wollte seinem Vater gern alles Recht machen. Er hatte sich sehr angestrengt und sich für seine Bemühungen so sehr Anerkennung und Liebe von seinem Vater gewünscht. Doch egal was Andreas tat, es war nie genug und sein Vater hatte immer noch etwas auszusetzen. Sein Vater war unzufrieden mit seinem Leben. Doch ein Kind in diesem Alter kann noch nicht Denken, dass sein Papa in seinem Leben etwas verändern sollte, oder mit seinen Aggressionen nicht umgehen kann und eigentlich eine Psychotherapie benötigt. Nein, Andreas hat alles auf sein eigenes „Schlechtsein“ bezogen. 

Auch hier erkennst du Parallelen zwischen Andreas Vater und seinem Chef, die Andreas während unserer Arbeit mehr und mehr bewusstgeworden sind.

Nachdem wir die negativen Glaubenssätze aufgelöst und umgewandelt haben, sah Andreas alles viel klarer.

Er hat verstanden, warum er so ist, wie er ist, und dadurch sind ihm Dinge bewusstgeworden, die einer Veränderung bedürfen.

Und diese Veränderung nahmen wir gemeinsam in Angriff!

Er konnte wieder voll durchstarten und geht mit mehr Leichtigkeit und Flow durchs Leben. Seine Familie hat ihn wieder und er genießt es, seinen Sohn als liebvoller Vater bei seiner Entwicklung zu beobachten und ihm zur Seite zu stehen.

Andreas hat seinen Job gekündigt und ist heute ein angesehener, erfolgreicher Manager, mit großer Verantwortung für mehr als fünfzig Mitarbeiter. Er erlebt jetzt ein berufliches Umfeld, welches ihn erfüllt, indem er seine Fähigkeiten auslebt und Anerkennung und Wertschätzung für seine herausragende Arbeit erfährt.

Er erlebt ein tiefes Vertrauen zu sich und seiner inneren Führung. Wenn ich ihn heute in der Stadt treffe, strahlt er Zufriedenheit und Lebensfreude in allen Bereichen seines Lebens aus. Und es bereitet mir große Freude, ihn dabei zu beobachten, was für ein liebevoller, verständnisvoller und hingebungsvoller Vater er für seinen Sohn ist.

Geht es dir ähnlich wie Andreas oder ist dein Chef auf seine ganz besondere Weise schwierig?

Möchtest du gerne Veränderung in deinem Leben und wieder Freude an deiner beruflichen Tätigkeit haben?

Dann schlage ich vor, dass wir uns kurz unterhalten – ganz ungezwungen – vielleicht bei einer virtuellen Tasse Tee oder Kaffee… und du erzählst mir, wie deine Situation aussieht und wobei du vielleicht Hilfe gebrauchen könntest.

Du hast nichts zu verlieren, außer deine limitierenden Programme und Blockaden, und die haben dich schon lange genug zurückgehalten das Leben zu leben, das dich (wieder) glücklich macht.

Ich freue mich auf dich!

Cathleen