Mobbing unter Kollegen

Ich möchte dir gern von Susanne (der Name ist aufgrund der neuen Datenschutzgrundverordnung von mir frei erfunden) erzählen. Es ist anfangs eine sehr traurige Geschichte.

Als ich Susanne kennenlernte sah sie sehr schlecht aus, extrem abgemagert und ausgemergelt.  Sie erzählte mir, dass sie großen Stress mit zwei Kolleginnen auf Arbeit hat, die ihr das Leben zur Hölle machen.  

Susanne ist eine junge Mutter von zwei Kindern. Sie hat ihre Kinder sehr früh bekommen. Ihre Tochter mit 17 Jahren und ihren Sohn mit 21 Jahren. Der Vater der Kinder hat sie wegen einer anderen Frau sitzen lassen. Er war selbst noch ein Kind und hatte keinen Bock auf zwei Quälgeister, die wohlmöglich sein Leben bestimmen könnten.

Nun kämpft sich Susanne irgendwie durchs Leben mit ihren beiden kleinen Kindern. Leider hat sie damals, als ihre Tochter zur Welt kam, ihre Lehre abbrechen müssen. Danach jobbte sie hart hier und da, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Seit einem Jahr hat sie eine Stelle als Hilfskraft in einem Altenheim.

Die Stelle war für Susanne wie ein „Sechser“ im Lotto. Susanne musste viel dafür tun, denn mit der Pflege von alten Menschen hatte sie bisher noch nie etwas zu tun gehabt. Sie lernte schnell und hat sich alles hart erarbeitet. Ihre Chefin war sehr zufrieden mit ihr und bot ihr einen Ausbildungsplatz an. Mit diesem Angebot waren jedoch zwei ihrer Kolleginnen nicht einverstanden und hatten sie von nun an heftig auf dem Kieker.

Jedes Mal, wenn Susanne ihre Schicht mit diesen Kolleginnen hatte, war sie völlig gelähmt, fühlte sich unsicher und zog den Kopf ein, wenn sie die Kollegen tuscheln und lästern hörte. Susanne konnte sich keine tolle Kleidung leisten und hat aus der Not heraus viele abgetragene Sachen getragen. Sie brauchte das Geld für die Miete, Essen und Kleidung ihrer Kinder. Susanne hatte das Gefühl immer als Verlierer dazustehen und egal was sie tat, ihre Kollegen fanden immer etwas, was nicht passte und hingen dies an die „große Glocke“. Dies hat Susanne alles auf sich selbst bezogen und so wurde immer kleiner.

Ihr wurde übel mitgespielt und sehr gegen sie integriert. Wenn es z.B.  Beschwerden von den Angehörigen gab, wurden die Fehler Susanne untergeschoben. Stellenweise sind Eintragungen in der Dokumentation manipuliert worden oder ihr wurde angeboten, Arbeit im „Sinne von Teamarbeit“ abzunehmen, die dann doch nicht erledigt wurde. Susanne konnte ihre Unschuld nicht beweisen und wurde von der Geschäftsführung abgemahnt. Weiterhin wurde aufgrund ihrer privaten Kleidung gelästert und leider drangen auch viele Sachen nach außen. So wurde Susanne auf der Straße von einer fremden Frau mit der Frage angesprochen, ob sie in dem ortsansässigen Altenheim arbeiten würde. Susanne stimmte dem zu und hat sich bei dieser Unterhaltung nichts gedacht. Daraufhin sagte die fremde Frau zu ihr: „Ah, denn sind sie das, die kleine Schlampe im Altenheim.“ In diesem Moment war Susanne gelähmt, geschockt und so perplex, dass sie gar nichts mehr sagen konnte. Sie wusste, dass das nur von ihren Kollegen kommen konnte. Ihr Selbstbewusstsein tendierte gegen Null.

Sie fühlte sich allein, klein, unterlegen, hilflos und fragte sich jedes Mal: “Warum ich, was habe ich denen getan, dass sie mich so fertigmachen wollen.“ Susanne hatte zu diesem Zeitpunkt große Angst ihren Job zu verlieren und dass sie den Ausbildungsplatz aufgrund der Vorkommnisse in der letzten Zeit nicht mehr bekommen wird. Sie hatte zu große Angst davor, ihre Wohnung zu verlieren und ihre Kinder nicht mehr versorgen zu können.

Ihr fehlte die innere Sicherheit, Vertrauen und der Mut zur Veränderung. Hinzu kam, dass sie sich durch den ständigen Druck krank, energielos und chronische müde fühlte. Doch sie kämpfte weiter und wollte sich gegenüber der Geschäftsführung nichts anmerken lassen

Susanne hatte Bauchschmerzen und Durchfall bevor sie ihre Schicht antrat. Sie nahm Beruhigungstabletten, um wenigstens einiger Maßen den Tag zu überstehen. Sie wurde von heftigen Alpträumen geplagt, war jede Nacht schweißgebadet und hatte dadurch Angst, einzuschlafen. Ihr Grübel-Karussell hörte nicht mehr auf. Sie fühlte sich leer, müde, verbraucht und konnte keine Freude mehr empfinden.

Susanne war so gefangen in ihrer eigenen negativen depressiven Welt, dass ihr Leben ungelebt an ihr vorbeirauschte. Ihre kleine Tochter hat sie gefragt: „Mama, warum bist du immer so traurig? Wir haben dir ein Bild gemalt, damit du wieder lachst. Mama wir haben dich doch sooo lieb, bitte komm wieder.“

Susanne war in dieser Situation so erschrocken, dass sie Hilfe und Unterstützung suchte. Dieser Moment machte ihr Angst. Denn sie wollte ihren Kindern eine gute, liebevolle und freudige Mutter sein.

Nach einer intensiven gemeinsamen Arbeit wurde Susanne bewusst, dass der Ursprung ihrer Probleme in ihrer Kindheit lag. Durch verletzende Erfahrungen in ihrer Kindheit, hat Susanne negative Glaubenssätze entwickelt und bis in ihrem Erwachsenenalter aufrechterhalten. Drei Glaubenssätze, auf den sie sehr stark triggerte, waren:

„Ich genüge nicht!“, „Ich bin nicht liebenswert!“ und „Ich bin schuld!“

Das eigentliche Problem jedoch, waren nicht ihre negativen Glaubenssätze, sondern die Schutzstrategien, die Susanne entwickelt hat, um so eine Verletzung nie wieder erfahren zu müssen. Mit Hilfe ihrer Schutzstrategien konnte sie schnell verdrängen, sich anpassen, sich zurückziehen, fliehen und Situationen vermeiden. Auch die Dinge absolut perfekt zu machen und der Versuch alles zu kontrollieren, zählt zu ihren Schutzstrategien.

Susannes Eltern haben sich nach ihrer Geburt getrennt. Als Susanne zwei Jahre alt war, ging ihre Mutter eine neue Beziehung ein. Susanne glaubte bis sie 7 Jahre alt war, dass der Mann an der Seite ihrer Mutter ihr Vater ist. Als sie durch einen dummen Zufall erfuhr, dass ihr Vater gar nicht ihr Vater ist, zerbrach für sie eine heile Welt. Sie hat sich verraten, allein, belogen und schuldig gefühlt. Die Beziehung zwischen ihrer Mutter und ihrem Stiefvater endete kurz nach diesem Vorfall. Der Stiefvater wollte nach der Trennung nichts mehr von Susanne wissen.

Susannes Wunsch, ihren richtigen Vater kennen zu lernen, war sehr groß. Doch auch von ihrem richtigen Vater wurde sie enttäuscht. Auch dieser konnte mit ihr nicht wirklich was anfangen und konnte ihre Vorstellung einer Vaterrolle nicht erfüllen.

Sie hatte immer das Gefühl nicht zu genügen und nicht liebenswert zu sein. Sie war allein mit ihrem Schmerz, ihre Mutter hatte mit sich selbst und der Trennung genug zu tun. Sie konnte den Schmerz von Susanne nicht lindern.

Susanne bezog die Trennung zwischen ihren Stiefvater und ihrer Mutter auf ihr eigenes „Schlechtsein“ und gab sich die Schuld. Auch die Ablehnung ihres richtigen Vaters bezog Susanne auf ihr eigenes „Schlechtsein“.

Hier erkennst du jetzt Parallelen zwischen dem Verhalten ihrer Väter und dem Verhalten ihrer Kollegen, auch Parallelen zwischen Susannes angewendeten Schutzstrategien in der Kindheit und als Erwachsene in ihrer Arbeit. Diese sind Susanne während unserer Arbeit mehr und mehr bewusst geworden.

Nachdem wir die negativen Glaubenssätze aufgelöst und umgewandelt haben, sah Susanne alles viel klarer.

Sie hat verstanden, warum sie so ist, wie sie ist, und dadurch sind ihr Dinge klar geworden, die sie durch ihr „Sein“ anzog und die einer Veränderung bedürfen.

Und diese Veränderung nahmen wir gemeinsam in Angriff!

Sie konnte wieder voll durchstarten und geht mit mehr Leichtigkeit und Flow durchs Leben. Ihre zwei Kinder haben sie wieder und sie genießen ihre gemeinsam Zeit unbeschwerter und fröhlicher. Die Geschäftsführung hat das Angebot zur Ausbildung nicht zurückgezogen und heute hat Susanne bereits erfolgreich ihre Zwischenprüfung abgelegt und ist in einem Jahr Altenpflegerin.

Nach und nach konnte sich Susanne einigen Kollegen anvertrauen und um ihre Hilfe bitten. Sie hat auch den Mut gehabt, alles in der Geschäftsleitung vorzubringen und um ein Mentoren-Gespräch mit den schwierigen Kollegen zu bitten. Da Susanne kein Einzelfall war, wurden die beiden Kolleginnen getrennt und jeweils auf andere Stationen verlegt.

Heute ist sie eine bei ihren Kollegen, den Heimbewohnern und den Angehörigen angesehene und fröhliche Auszubildende, die ihren Beruf mit Spaß und Herzblut ausübt. Sie erlebt ein berufliches Umfeld, welches sie erfüllt, indem sie ihre Fähigkeiten auslebt und Anerkennung und Wertschätzung für ihre tolle Arbeit erfährt.

Sie erlebt ein tiefes Vertrauen zu sich und ihrer inneren Führung. Wenn ich sie heute in der Stadt treffe, strahlt sie Zufriedenheit und Lebensfreude in allen Bereichen ihres Lebens aus. Und es bereitet mir große Freude, sie dabei zu beobachten, wie glücklich und zufrieden sie mit ihren Kindern durch die Stadt schlendert und genussvoll ein Eis schleckert.

 

Geht es dir ähnlich wie Susanne oder sind deine Kollegen auf seine ganz besondere Weise schwierig?

Möchtest du gerne Veränderung in deinem Leben und wieder Spaß daran haben, deiner beruflichen Tätigkeit nachzugehen?

Dann schlage ich vor, dass wir uns kurz unterhalten – ganz ungezwungen – vielleicht bei einer virtuellen Tasse Tee oder Kaffee… und du erzählst mir, wie deine Situation aussieht und wobei du vielleicht Hilfe gebrauchen könntest.

Du hast nichts zu verlieren, außer deine limitierenden Programme und Blockaden, und die haben dich schon lange genug zurückgehalten das Leben zu leben, das dich (wieder) glücklich macht.

Ich freue mich auf dich!

Cathleen